Niklas Gorny mit Top-Quote – Disziplin ist noch verbesserungswürdig

Bielefeld (WB/jm). Eine drollige Momentaufnahme, wenn eine 7:36-Niederlage als Fortschritt gefeiert wird. Sowas passiert, wenn ein Regionalligist gegen einen Play-off-Aspiranten um die Deutsche Meisterschaft im American Football das erwartete Ungleichgewicht in Grenzen halten kann. Geschehen am Samstag auf der Rußheide, als sich die Bielefeld Bulldogs erstaunlich wacker gegen die Marburg Mercenaries stemmten; deren internationale Klasse nur phasenweise aufblitzte.

»Ich hätte nicht gedacht, dass unsere Mannschaft so früh schon so weit ist«, staunte Sportdirektor Heiko Schreiber. Nach seinem Karriereende war es für ihn ein ungewohntes Gefühl, erstmals eine Bulldogs-Partie in Jeans zu verfolgen. Er ärgerte sich kolossal über die Referees, die »unnötig Härte ins Spiel gebracht« hätten. »Aber das war auch lehrreich und hat uns gezeigt, dass wir Defizite in der Disziplin abstellen müssen.« Lektion: »Entscheidungen runterschlucken, weitermachen!«

Starke Worte schon vor dem Kick-off. »Protect this house. Fight!«, schärfte Headcoach Willie J. Robinson seinem Team ein: Schützt dieses Stadion, kämpft! Und in der Halbzeit rief er jedem einzelnen Spieler zu: »Jetzt ist der Moment da, wo du Fliegen lernst.« Dass die Bulldogs den Mercenaries nur noch neun Punkte gönnten, ließ den Schluss zu: Das Team ist flügge geworden. Teamleader Felix Kroll zeigte sich »positiv überrascht. Wir sind in allen Positionsgruppen sehr selbstbewusst aufgetreten. Der Coach hatte uns gut eingestellt und unsere Stärken betont.«

Niklas Gorny, der seine Chefrolle mit großem Selbstbewusstsein interpretierte und dem vom Headcoach »ein großes Spiel« attestiert wurde, erkannte wohl noch Abstimmungsmängel. Doch das änderte nichts an seiner respektablen Ratingquote von 102,3 Prozent. Dieser statistische Wert setzt sich aus einer festen Formel zusammen, und alles über 100 ist richtig prima. Schreibers Kompliment: »Niklas hat es geschafft, seine guten Trainingsleistungen auch im Spiel umzusetzen. Und das gegen einen Gegner, der mit großen Vorschusslorbeeren bedacht worden ist.« Schmeichelnde Worte, die genauso an die Leibgarde gerichtet waren, die O-Line. Eigentlich Schreibers »Sorgenkind« im Vorfeld. Und Willie Robinson sah, was er sehen wollte: »Durchkämpfen! Stolz drauf sein auf das, was du tust!«

Am kommenden Samstag sehen die Voraussetzungen anders aus. Im zweiten und letzten Härtetest vor der Saison gegen die Gelsenkirchen Devils (Oberliga NRW) lastet die Bürde des Favoriten diesmal auf den Bulldogs. »Da sind wir in der Bringschuld«, findet Heiko Schreiber und möchte eine agile Hundemeute sehen, die »Herr im Haus« ist.